Mehr Versorgungssicherheit: SWN installierten neue Großtransformatoren
Neue Systeme bieten große Leistungsreserven für die Stadt
Strom ist nicht gleich Strom: Auf die Spannung kommt es an. Die großen Lieferanten bedienen kommunale Energieversorger über Höchst- und Hochspannungstrassen, wo er vor der Einspeisung in deren Netze umgewandelt werden muss. Die Stadtwerke Neuwied (SWN) machen dies nun in Eigenregie und haben dazu zwei große Transformatoren installiert. Eine Millioneninvestition, die sich nicht nur wirtschaftlich rechnet: Die Anlagen sind so dimensioniert, dass auch die Versorgungssicherheit in Neuwied auf lange Sicht gesichert wird.
„Wir bekamen bisher die elektrische Energie auf der Spannungsebene 20.000 Volt von der Süwag geliefert“, erklärt Hans-Jürgen Schmidt, SWN-Projektleiter für Strom. An den Übergabestellen Rasselstein und Hafenstraße steht jeweils ein Transformator, der aus Hochspannung (110.000 Volt) die Mittelspannung (20.000 Volt) erzeugt. Eine Dienstleistung, die hohe Kosten für die SWN bedeutete.
Auslaufende Verträge und die Chance, den Strom in eigener Regie zu transformieren, wollten die SWN nutzen. Eine Chance, auf die Geschäftsfeldleiter Frank Ackermann schon vor fünf Jahren hinarbeitete: 2006 hatte er grundlegende Überlegungen zu diesem Projekt angestellt und nach ersten Kalkulationen mit der Geschäftsführung diskutiert. Mit der Freigabe des Projekts im Februar 2011 durch den Aufsichtsrat der SWN begann die Realisierung des ambitionierten Projekts.
Die SGB-Starkstrom-Gruppe in Regensburg ist auf den Bau dieser Transformatoren spezialisiert und fertigte die Anlagen für die SWN. Jeder der beiden Transformatoren ist rund zehn Meter lang, vier Meter hoch und gut drei Meter breit. Allein das Leergewicht der Kessel beträgt 17 Tonnen, inklusive Kern und Isolieröl und allem Zubehör wurden 93 Tonnen von Tiefladern über die 450 Kilometer lange Strecke aus Bayern in die Deichstadt bewegt.
Gespannt hatte man sich in Neuwied auf die „Hochzeit“ in Regensburg vorbereitet: Der Moment, wo der fertige Kern in den Kessel eingebracht wird. „Der Begriff Hochzeit hat sich eingebürgert, nachdem Opel in Rüsselsheim 1935 mit dem Bau des Olympia Geschichte schrieb und Wagen mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie baute. Der Zusammenbau von Karosserie mit Antrieb und Achsen wird seither ´Hochzeit´ genannt“, so Schmidt.
Doch das sind Randgeschichten für die Techniker. Entscheidend ist die Versorgungsicherheit, wie Ackermann verdeutlicht: „Die alten Transformatoren hatten jeweils 40 Megawatt Leistung. Da wir zukünftig in Spitzenzeiten aber bis zu 54 Megawatt liefern müssen, hätte der Ausfall eines Systems zu Problemen führen können. Bei den neuen Transformatoren können wir jeweils 63 Megawatt abrufen: Das reicht aus, um von einem Punkt ganz Neuwied mit seinen Stadtteilen und die Ortsgemeinde Melsbach zu versorgen.“ Selbst Wartungsarbeiten können durchgeführt werden, ohne bei anderen Netzbetreibern Reserveleistungen abzurufen.
Der Einbau wurde minutiös vorbereitet: „Der Wechsel dieser Systeme ist äußerst komplex und heikel. Da steckt der Teufel im Detail“, so Ackermann. „Es gab keine ausfälle, alles funktioniert reibungslos.“
Die Trafos, Schutzeinrichtungen, Verkabelung und Transportkosten schlagen mit mehreren Millionen Euro zu Buche: „Das ist für die SWN eine gewaltige Investition. Doch die derzeit günstige Zinslage und die Einsparungen bei den Netznutzungsentgelten aus dem sogenannten vorgelagerten Netz machen das Projekt für uns rentabel“, sagt Stefan Herschbach. Für den SWN-Geschäftsführer ist ein weiterer Punkt entscheidend: „Wir machen uns unabhängiger und können unsere Position auch für die anstehende Energiewende festigen. Unsere Effizienz steigt durch die bessere Relation von Versorgungsauftrag zu den Netzkosten.“ Die Zukunftsfähigkeit der Stadt hänge entscheidend von einer zuverlässigen Energieversorgung ab: „Beide Transformatoren sind auf eine maximal Leistung von jeweils bis zu 80 Megawatt aufrüstbar. Damit bieten wir langfristig Sicherheit, wenn der Energiebedarf der Stadt steigt. Das ist für Unternehmen, die sich bei uns ansiedeln wollen, ein wichtiger Standortfaktor.“
Denn Netzausfälle kosten Kunden Nerven und Firmen bares Geld. Hier sind die SWN bereits stark im Markt, wie Frank Ackermann vorrechnet: „In Frankreich lag 2009 die durchschnittliche Unterbrechungszeiten von Endverbrauchern bei 66 Minuten im Jahr, in Deutschland waren es 14 Minuten. Bei uns in Neuwied und den SWN-Kunden: 1 Minute.“








