Regenerative Energien nehmen zu

Der Anteil der Erneuerbaren Energien in Neuwied steigt. Die Einspeisemenge im Verteilnetz der Stadtwerke Neuwied (SWN) beträgt bereits 7,7 Millionen Kilowattstunden oder 2,8 Megawatt Leistung. Der Anteil der umweltfreundlichen Energien beträgt damit 3,35 Prozent des gesamten Strombezuges der SWN- und soll weiter wachsen.
Mittelfristig werden die Einspeisevergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sinken. Damit sinken auch die Erträge. SWN-Geschäftsführer Stefan Herschbach sieht die Verantwortung bei dem Energieversorger jedoch nicht allein nur von der wirtschaftlichen Seite: „Natürlich können auch wir es uns nicht leisten, dass dies Zuschussgeschäfte werden. Im Gegensatz zu großen Aktiengesellschaften, die große Renditen für ihre Anleger erzielen müssen, sind wir als städtisches Unternehmen den Bürgern der Stadt verpflichtet: Wir können als Rendite im Einzelfall auch mal mit einer schwarzen Null zufrieden sein, wenn die Umwelt in Neuwied gewinnt.“
Inzwischen gibt es 165 Photovoltaikanlagen, ein Wasserkraftwerk und zwei Blockheizkraftwerke, die mit Holzhackschnitzeln und Rapsöl betrieben werden, im Netz der SWN. Insge-samt betreiben die städtischen Unternehmen SWN und GSG 33 Anlagen, die sich nicht nur im Netzgebiet der SWN befinden. Laut Frank Ackermann, Geschäftsfeldleiter Netze, und Mitarbeiter Sven Preußiger kann sich der Anteil Neuwieds mit nun gut 1,24 Megawatt Leistung aus Photovoltaik sehen lassen, wenn man bedenke, dass eine Erhebung der Bundesnetzagentur im Herbst des vergangenen Jahres für ganz Rheinland-Pfalz 68 Megawatt belegt.
In Zukunft könnten sich aber technische Probleme ergeben. „Photovoltaik gehört nun einmal zu den witterungsabhängigen Energietechniken“, sagt Preußiger. „Unsere Netze sind zurzeit bestens für die Aufnahme der aktuell installierten PV-Leistung gerüstet. Die regenerative Einspeiseleistung soll auch wei-terhin ausgebaut werden. Dann könnte es passieren, dass an einem schönen Sonntag, lokal mehr Leistung produziert wird, als durch unsere Endkunden im gleichen Moment abgerufen wird.“ Solange geeignete Speichertechnologien noch auf sich warten lassen, müsse man auf einen Energiemix setzen, sagt Frank Ackermann: „Die Leistung der Biomasseheiz-kraftwerke wird ausschließlich durch die Abnahme der Fernwärmekunden beeinflusst. Grundsätzlich liegt der Produktionsschwer-punkt in der Winterjahreshälfte, in der die PV-Anlagen eher geringe Leistung erbringen.“
Geschäftsführer Herschbach verbindet daher mit dem Bekenntnis zu den erneuerbaren Energien auch den Appell an die Bundesregierung, die Forschung zu forcieren: „Das geplante Energiekonzept muss mit der Energie-branche vorab diskutiert werden. Unsere Interessen als regionaler Versorger sind andere als die der Großkonzerne.“ Dieses Ansinnen hat aktuell auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) formuliert: Erneuerbare Energien könnten nur dann im erwarteten Maße zur Stromversorgung beitragen, wenn das gesamte Energiesystem an die neuen Bedingungen angepasst werde. „Die Forderung der Regierung nach modernen Netzen ist berechtigt, betrifft uns allerdings weniger, da wir in den vergangenen Jahren gerade in die Netze und damit in die Versorgungssicherheit der Bürger viel Geld investiert haben.“ Dringlich sei dagegen eine intensivere Forschungsförderung für neue Speichertechnologien: „Das können die Energieversorger nicht leisten, die Impulse muss der Bund setzen.“ Ohne die Technologie werde es nicht gelingen, den wachsenden Anteil der stark witterungsabhängigen Einspeisung von Ökostrom in eine sichere Energieversorgung zu integrieren.
Herschbach zufolge setzt man bei den SWN dennoch auf den Ausbau eigener Kapazitäten zur Stromerzeugung: „Wir wollen von externen Anbietern unabhängiger werden, das gibt auch den Menschen in Neuwied noch mehr Planungs- und Versorgungssicherheit. Wenn wir das mit einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien tun können, wird uns das sehr recht sein.“